Projekte
Antrag auf eine DFG-Forschungsgruppe "Steuern verändern":
Eine aus dem Arbeitskreis Steuergeschichte hervorgegangene Projektgruppe hat im Mai 2026 einen umfangreichen DFG-Antrag gestellt, der auf die Gründung einer Forschungsgruppe "Steuern verändern. Nichtfiskalische Anlässe, Ziele und Wirkungen von Steuerreformen seit dem 19. Jahrhundert“ abzielt. Diese Forschungsgruppe soll - beruhend auf umfangreichen Vorarbeiten im Arbeitskreis - in den Jahren 2027 bis 2030 historisch untersuchen, welche Ziele und Wirkungen Steuerreformen jenseits der bloßen Ausgabendeckung verfolgten und verfolgen: Lenkungsziele durch Anreize (tax expenditure) und Abschreckung, Stabilisierungsziele und politökonomische Ziele. Vier Teilprojekte der Forschungsgruppe beleuchten in dieser nichtfiskalischen Perspektive Funktion und Entwicklung des Steuerbegriffs, öffentlichkeitswirksamer Steuerskandale, sodann die nichtfiskalische Funktion der Steuern im sozialistischen Deutschland (SBZ, DDR) und die Frage nach der Übertragung steuerlicher Preissignale über Staatsgrenzen hinweg. Interner Bereich...
Die Konturen des Kolonialstaats. Steuer- und Haushaltspolitik in den deutschen Kolonien (1884-1914):
Unter Leitung von Prof. Dr. Marc Buggeln untersucht dieses DFG-geförderte Projekt den Zusammenhang zwischen Steuererhebung und Herrschaft in den deutschen Kolonien. Dabei wird mit der Fiskalpolitik ein bislang vernachlässigter Bereich in den Blick genommen, der zu den konfliktträchtigsten Feldern kolonialer Herrschaft gehörte. Jede Form der Steuerverweigerung stellte aus Sicht der Kolonialherren die eigene Herrschaft grundsätzlich infrage und wurde daher zum Teil mit äußerster Brutalität unterbunden. Gleichzeitig wussten die Kolonisierenden um die Grenzen ihrer Durchsetzungskraft. Vielerorts wurden Steuern daher zunächst nur in den Gebieten eingeführt, in denen die koloniale Herrschaft bereits fest etabliert war, um dann sukzessive ausgedehnt zu werden. Die Untersuchung der Steuererhebung erlaubt daher sowohl neue Einblicke in die schrittweise Ausdehnung kolonialer Herrschaft als auch in die Formen des Widerstands und der Selbstbehauptung der in den Kolonien lebenden Menschen. Um die Frage nach den Besonderheiten der deutschen Kolonialherrschaft zu erhellen, wird das Projekt zudem in vergleichender Perspektive die Fiskalpolitik in ausgewählten britischen Kolonien untersuchen. Mehr...
Laufzeit: 2024-2026.
Digitalisierung steuerhistorischer Quellen:
Der Arbeitskreis digitalisiert - zumeist projektbezogen - regelmäßig Quellen zur Steuerrechtsgeschichte, insbesondere Normtexte und historische steuerrechtswissenschaftliche Literatur. Aus urheberrechtlichen Gründen (§§ 60a ff. UrhG) werden diese Digitalisate nicht frei zur Verfügung gestellt. Berechtigte können jedoch unter passwort@steuergeschichte.de einen Zugang beantragen.
Laufzeit: seit 2010.
In Kooperation mit dem Arbeitskreis Steuergeschichte hat die Universitätsbibliothek Heidelberg aus ihren Beständen alle 19 Bände der amtlichen Sammlung des Preußischen Oberverwaltungsgerichts in Staatssteuersachen (1893-1922) digitalisiert. Das preußische Steuerrecht ist - auch über die Gewerbesteuer und die Einkommensteuer hinaus - prägend und maßstabgebend für die anderen Bundesstaaten, für das Weimarer Reichssteuerrecht und sogar für die modernen Doppelbesteuerungsabkommen. Ebenso nahm die Rechtsprechung des PrOVG im Kreis der deutschen Verwaltungsgerichtshöfe und Oberverwaltungsgerichte eine führende Stellung ein.
Internationale Kulturgeschichte der Steuermoral:
Das Projekt nimmt die Entwicklung der Normen und Werte des Steuerzahlens im Zeitraum zwischen den 1940er und 1980er Jahren in drei unterschiedlichen Typen von Steuerstaaten in den Blick: der BRD, Spanien und den USA. Ziel ist eine vergleichende und transnationale Analyse von Genese und Wandel der unterschiedlichen Moralsysteme in ihrer kulturellen und historischen Bedingtheit.
Entwicklungslinien des Methodenverständnisses im Steuerrecht:
Im Vorfeld einer Tübinger Tagung über die Methoden steuerrechtlicher Entscheidungsfindung (Droege/Osterloh-Konrad/Seiler) analysierte das von Prof. Dr. Ekkehart Reimer geleitete Projekt die hermeneutischen Methoden des Umgangs mit Steuergesetzen, untergesetzlichen Normen und Regeln des Steuerrechts und den unterschiedlichen Handlungsformen des Steuervölkerrechts in diachroner Perspektive. Es fragte nach der viel beschworenen "Besonderheit des Steuerrechts" im Abgleich mit dem privaten Schuldrecht einerseits und benachbarten Teilen des öffentlichen Eingriffsrechts andererseits. Dabei deckte es Bezüge zu den Methoden der Steuerrechtsetzung, aber auch der Steuer(rechts)wissenschaft auf.
Laufzeit: 2020-2022.
Übersetzung der Einführung von Herbert Dorn aus der italienischen Fassung des "Steuerrechts" von Albert Hensel:
Zum 100-jährigen Jubiläum der ersten Auflage von Albert Hensels „Steuerrecht“ lässt der Arbeitskreis Steuergeschichte den ehemaligen Präsidenten des Reichsfinanzhofs und Wegbereiter des internationalen Steuerrechts Herbert Dorn zu Wort kommen. In seiner Einführung zur italienischen Ausgabe des „Steuerrechts“ aus 1956 legt er u.a. dar, wie das Steuersystem der Weimarer Zeit auch die Widrigkeiten des NS-Regimes überdauert hat und sich viele seiner Prinzipien in der Bundesrepublik wiederfinden. Die Übersetzung seiner Einführung ist hier abrufbar.
